Octopus Energy gehört zu den aufstrebendsten Akteuren auf dem britischen Energiemarkt und hat sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht. Das Unternehmen wirbt mit innovativen Tarifen, exzellentem Kundenservice und einem starken Fokus auf erneuerbare Energien.
Doch angesichts steigender Energiepreise und der Insolvenzen mehrerer Wettbewerber fragen sich viele Kundinnen und Kunden: Steht Octopus Energy vor einer möglichen Pleite? In diesem Artikel gehen wir dieser Frage ausführlich nach und beleuchten die finanzielle Lage des Unternehmens, das in den vergangenen Jahren beachtliches Wachstum verzeichnet hat.
Seit der Energiekrise 2021 sind zahlreiche britische Versorger unter massiven Druck geraten. Geringe Gewinnmargen, hohe Großhandelspreise und der regulatorische Eingriff in Form der staatlichen Preisobergrenze haben dazu geführt, dass mehrere kleinere Anbieter Insolvenzantrag stellen mussten. Dadurch rückten die Augen vieler Beobachter auf die gesamte Branche. Oft kam dabei auch Octopus Energy in den Fokus, vor allem nachdem das Unternehmen Kunden insolventer Konkurrenten übernahm.
Die Frage „Ist Octopus Energy pleite?“ bzw. „Droht Octopus Energy die Insolvenz?“ taucht seither immer wieder in Medien und Foren auf. Dieser Artikel gibt einen detaillierten Überblick, ob es berechtigte Hinweise auf finanzielle Schieflagen gibt, oder ob Octopus Energy trotz anspruchsvoller Marktbedingungen stabile Aussichten hat.
Ein Kernthema bei der Bewertung der Stabilität eines Energieversorgers sind dessen Umsätze, Gewinne und Kapitalausstattung. Nach vorliegenden Daten ist Octopus Energy nicht insolvent und weist zum Zeitpunkt der letzten vorliegenden Berichte keine Anzeichen einer bevorstehenden Zahlungsunfähigkeit auf.
Ganz im Gegenteil: Im Geschäftsjahr 2023/24, das am 30. April 2024 endete, verzeichnete das Unternehmen einen Nettogewinn von rund 83 Millionen Pfund bei einem Umsatz von etwa 12,4 Milliarden Pfund. Die daraus resultierende Gewinnmarge von gerade einmal 0,7 Prozent mag auf den ersten Blick niedrig wirken, relativiert sich jedoch durch die bewusste Kostenübernahme, mit der Octopus seine Kundinnen und Kunden während der Energiekrise entlasten wollte. Unternehmensintern heißt es, man habe allein im vergangenen Jahr rund 74 Millionen Pfund an Kosten absorbiert, um die Tarife unterhalb der Preisobergrenze zu halten.
Obwohl dadurch die Gewinne kleiner ausfielen, unterstreicht diese Strategie die finanzielle Leistungsfähigkeit und Stabilität des Unternehmens: Wer sich bewusst Kostennachteile leisten kann und dennoch profitabel bleibt, ist in der Regel solide aufgestellt. Laut eigenen Angaben spiegelt sich dieser Befund auch in der Bilanz wider, wie wir im weiteren Verlauf noch genauer betrachten werden.
Octopus Energy hat in den letzten Jahren ein beachtliches Wachstum hingelegt. Das Geschäftsjahr 2022/23 galt dabei als Meilenstein, denn:
Damit beendete Octopus eine lange Phase, in der man zunächst stark in Infrastruktur, Personal und Marketing investiert hatte und anfängliche Verluste bewusst in Kauf nahm. Das erstmals erzielte positive Ergebnis galt in der Branche als Zeichen dafür, dass das Geschäftsmodell trägt.
Im darauffolgenden Geschäftsjahr (2023/24) ging der Gewinn wieder etwas zurück. Nach vorläufigen Angaben sank der Gewinn vor Steuern auf 77,6 Millionen Pfund, was einem Einbruch von rund 73 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Nach Steuern verblieb am Ende ein Nettogewinn von 83 Millionen Pfund. Dieser Rückgang hängt laut Geschäftsführung mit massiven Ausgaben für weiteres Wachstum zusammen:
Hier wird deutlich, dass Octopus Energie zwar Gewinne erwirtschaftet, gleichzeitig jedoch viel Kapital reinvestiert, um langfristiges Wachstum zu sichern. Das Management verweist darauf, langfristig orientierte Investoren zu haben, die diese Strategie aktiv unterstützen.
Octopus bezeichnet das abermals positive Ergebnis 2023/24 trotz deutlichem Gewinnrückgang als Indikator für die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells. Der Rückgang der Marge steht demnach in direktem Zusammenhang mit gezielten Wachstums- und Kundenbindungsmaßnahmen.
Neben dem Blick auf die Gewinnentwicklung ist die Bilanzstärke eines Unternehmens ein zentraler Faktor für dessen Stabilität. In den letzten veröffentlichten Berichten weist Octopus ein deutlich gestiegenes Eigenkapital aus.
Ein solch starker Anstieg des Eigenkapitals bedeutet, dass Octopus auf ein zusätzliches finanzielles Polster zurückgreifen kann. Dies ist wichtig, um etwaige Schwankungen am Energiemarkt abzufedern, in neue Technologien zu investieren oder unerwartete Kosten zu decken.
Octopus Energy wird von einer Reihe potenter Investoren gestützt. Seit der Gründung im Jahr 2015 flossen insgesamt über 2 Milliarden Dollar Risikokapital in das Unternehmen – das Magazin „Sifted“ spricht sogar von 2,5 Milliarden Dollar bis 2023. Dieser hohe Kapitalzufluss zeigt sich nicht nur in diversen Finanzierungsrunden, sondern auch in den Bewertungen, die Octopus in den letzten Jahren erzielen konnte.
Einige zentrale Geldgeber sind:
Dass namhafte Investoren mehrfach hohe Beträge nachschießen und sogar ihren Anteil erhöhen, zeugt von Vertrauen in das Geschäftsmodell von Octopus und dessen langfristige Strategie.
Octopus selbst verweist darauf, über mehr als 2 Milliarden Dollar an „financial backing“ zu verfügen, um Innovationen zu fördern und weitere Marktanteile zu gewinnen. Die große Kapitaldecke ermöglichte es dem Unternehmen, auch kostspielige Übernahmen zu stemmen, sich in neuen Märkten zu etablieren und bei Bedarf den Kundinnen und Kunden günstigere Tarife zu bieten.
Im Dezember 2023 übernahm Octopus das Privatkunden-Geschäft von Shell Energy UK und gewann damit auf einen Schlag 1,3 Millionen zusätzliche Kundinnen und Kunden. Diese Übernahme stärkt die Position von Octopus im britischen Markt und erweitert die eigene Kundenbasis beträchtlich.
Schon Ende 2022 hatte Octopus die Kundschaft des insolventen Versorgers Bulb Energy übernommen. Bulb war im Zuge steigender Einkaufspreise kollabiert und wurde in ein staatliches Sonderverwaltungsregime (Special Administration Regime) überführt, um die Energieversorgung der betroffenen Haushalte zu sichern.
Octopus erhielt damals staatliche Unterstützung bei den Beschaffungskosten, hat jedoch mittlerweile nahezu die gesamten Mittel zurückgezahlt. Im Juni 2024 kündigte das Unternehmen an, knapp 3 Milliarden Pfund an die Regierung zu erstatten, sodass der Staat fast alle Aufwendungen für die Rettung von Bulb zurückbekommt.
Diese Transaktion belegt nicht nur die finanzielle Schlagkraft von Octopus, sondern nimmt gleichzeitig Kritikern den Wind aus den Segeln, die behauptet hatten, das Unternehmen habe nur dank staatlicher Hilfen bestehen können.
Mit den Übernahmen hat sich Octopus in den vergangenen zwei Jahren rasant an die Spitze des britischen Strommarktes geschoben. Rund 7,3 Millionen Haushalte (etwa 12,9 Millionen Zähler) werden inzwischen beliefert, was einem Marktanteil von rund 24 Prozent entspricht.
Diese neue Spitzenposition, die noch vor wenigen Jahren von British Gas gehalten wurde, bringt natürlich nicht nur Umsatzpotenzial, sondern auch Herausforderungen in puncto Kundenservice und Integration der übernommenen Kundschaft. Octopus betreibt hierfür die leistungsfähige IT-Plattform Kraken, die durch Automatisierung und moderne Schnittstellen den Kundenservice optimieren soll und sogar anderen Versorgern lizenziert wird.
Octopus Energy betont in Presseverlautbarungen gerne die Kombination aus Kundenzentrierung, Wachstum und solider Finanzführung. Gründer und CEO Greg Jackson verweist beispielsweise auf den von Octopus eingerichteten Härtefonds für besonders betroffene Haushalte sowie das Angebot von kostenlosen Energiespargeräten, um den Menschen durch die Energiekrise zu helfen.
Während andere Anbieter in Schwierigkeiten geraten oder gar vom Markt verschwinden, profitiert Octopus von seiner breiten Kapitalbasis und dem Vertrauen namhafter Investoren. CFO Stuart Jackson unterstreicht regelmäßig, dass das Unternehmen bewusst keine kurzfristige Gewinnmaximierung anstrebt, sondern auf Nachhaltigkeit und Kundenzufriedenheit setzt.
Dass Octopus solche hohen Investitionen tätigt, bestätigt die Ausrichtung auf Wachstumsmärkte, wie etwa Photovoltaik, Wärmepumpen und E-Mobilität. Diesen Geschäftsfeldern wird in den nächsten Jahren erhebliches Potenzial zugesprochen, sodass eine vorausschauende Positionierung den nachhaltigen Erfolg des Unternehmens sichern könnte.
Betrachtet man die vorliegenden Fakten, zeichnet sich ein klares Bild:
Eine Insolvenzanmeldung ist für Unternehmen in einer solchen Lage höchst unwahrscheinlich. Weder die Bilanzen noch die öffentlichen Ankündigungen oder Analystenberichte lassen Hinweise auf eine finanzielle Schieflage erkennen. Der eingangs erwähnte niedrige Nettogewinn im Vergleich zum Umsatz zeigt zwar, dass das Unternehmen hohe Kosten auf sich nimmt, um seine Kunden zu entlasten und neue Märkte zu erschließen, aber bisher ging diese Rechnung für Octopus auf: Es blieb trotz gezielter Expansionsausgaben profitabel.
Auch das Risiko einer künftigen Pleite erscheint überschaubar, sofern das Management weiterhin umsichtig agiert und die Kraftstoffkosten (bzw. Beschaffungskosten) nicht in neue extreme Höhen schießen. Octopus profitiert zudem davon, dass es seine IT-Plattform Kraken selbst entwickelt und für andere Anbieter lizenzieren kann, wodurch zusätzliche Einnahmen unabhängig vom reinen Energievertrieb generiert werden.
In einer Branche, die bisweilen wenig Innovationsfreude zeigte, erfreut sich Octopus Energy bei vielen Kundinnen und Kunden großer Beliebtheit. Transparente Tarife, kundenorientierter Service und ein starker Fokus auf grünen Strom haben das Unternehmen schnell bekannt gemacht. Diese Kundenzufriedenheit zahlt sich finanziell aus:
Diese Faktoren sind für die Umsatzerlöse und das Ergebnis eines Energieversorgers nicht zu unterschätzen. Wer weniger Kunden verliert und gleichzeitig neue hinzugewinnt, steigert kontinuierlich seinen Marktanteil und damit seine wirtschaftliche Basis.
Obwohl Octopus in einer stabilen Lage zu sein scheint, bleiben gewisse Risiken nicht außer Acht zu lassen. Die Energiebranche ist anfällig für:
Dennoch ist Octopus besser aufgestellt als viele kleinere Anbieter, da es ein gewisses Skalenniveau erreicht hat und dadurch Mengenvorteile bei der Energiebeschaffung erzielen kann. Zudem verfügt das Unternehmen über eine breitere Kapitaldecke und kann sich damit – zumindest kurzfristig – gegen Krisen wappnen.
Die klare Antwort lautet: Nein, Octopus Energy ist nicht pleite. Im Gegenteil, das Unternehmen befindet sich nach aktuellen Informationen in einer soliden finanziellen Verfassung. Es konnte mehrfach erfolgreich Kapital einsammeln, beschäftigt ein starkes Team und hat ein Geschäftsmodell etabliert, das sowohl auf Kundenzufriedenheit als auch auf Wachstum in erneuerbaren Energien setzt.
Wichtige Indikatoren für die Stabilität sind:
In einer Zeit, in der Energieversorger oft unter die Lupe genommen werden, ist es verständlich, dass Fragen zur Zahlungsfähigkeit und Zukunftssicherheit gestellt werden. Doch sämtliche verfügbaren Fakten sprechen dafür, dass Octopus Energy keine akuten finanziellen Schwierigkeiten hat und voraussichtlich auf seinem Wachstumspfad weitermachen kann.
Octopus hat angekündigt, weiter zu expandieren, sowohl in Großbritannien als auch international. Zudem will das Unternehmen sein Angebot an erneuerbaren Energien noch stärker ausbauen. Mit dem eigenen IT-System Kraken als effizienter Abrechnungs- und Service-Plattform könnte sich das Geschäftsfeld künftig zusätzlich diversifizieren.
Langfristig bleibt das Geschäftsumfeld jedoch von Faktoren abhängig, die Octopus nur begrenzt kontrollieren kann – etwa den Großhandelspreisen für Energie und den politischen Rahmenbedingungen zur Förderung der Energiewende. Sofern das Management weiterhin vorsichtig agiert, Einsparpotenziale nutzt und genügend Kapital für mögliche Preisschocks vorhält, dürfte Octopus Energy seinen Erfolgskurs fortsetzen.
Schließlich haben auch die Großinvestoren ein klares Interesse daran, dass sich der Energieversorger am Markt behauptet. Dieser enge Schulterschluss zwischen Management und Anteilseignern minimiert das Risiko, dass Octopus in eine finanzielle Krise schlittert.
„Ist Octopus Energy pleite?“ – Die Antwort lautet klar: Nein. Der britische Versorger hat in den vergangenen Jahren eindrucksvoll bewiesen, dass er sich in einem herausfordernden Marktumfeld behaupten kann. Der bisherige Wachstumskurs, die soliden Zahlen und die Breite an renommierten Investoren sprechen dafür, dass Octopus Energy auch in Zukunft keine akuten Insolvenzsorgen haben wird. Sollte das Unternehmen auf seiner vorsichtigen Finanzpolitik beharren und weiterhin in Innovation und Kundenzufriedenheit investieren, steht ihm nach heutigem Kenntnisstand eine stabile und vielversprechende Zukunft bevor.
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